Donnerstag, 12. Januar 2006

31.12.2005-11.01.2006

Wieder einmal ist eine sehr Erlebnisreiche Woche zu ende gegangen und es gibt mehrere Dinge zu berichten.
1. New Year Eves in Melbourne
2. Great Ocean Road
3. Grampians
4. mein erstes und wahrscheinlich letztes Kricket Spiel
Aber der Reihe nach.
Die Jahreswende wollten wir in der City von Melbourne zusammen mit meiner Schwester feiern und ich muss sagen es war in vielerlei Hinsicht eine völlig neue Erfahrung.
Erstens und was mich wirklich sehr verwirrt hat war, dass es das erste Silvester war an dem ich nicht gefroren sondern geschwitzt habe. Tagsüber waren es schon fast unerträgliche 46°, als wir uns gegen 20:30 Uhr auf den Weg in die City gemacht haben, waren es ungelogen immer noch gute 39° und um Mitternacht ca. 32°. PICT1627
Wirklich ein Zustand über den ich mich den gesamten Abend über gefreut, gewundert habe oder einfach nur fasziniert war. Zu Silvester MUSS es einfach kalt sein. Die zweite Sache, die mich verwirrt hat war, wie die Melbourner Silvester feiern. Eine hälfe feiert ganz normal in Clubs oder Privat und die andere Hälfte pilgert in die Innenstadt, in der ähnlich wie in Berlin eine große Party sein sollte. Wir haben zwar all die Pilgere gesehen und haben uns ihnen auch angeschlossen, nur haben wir DIE Party nicht gefunden, die so groß angepriesen wurde. Wir haben zwar mehrer Bühnen gesehen, nur hat auf diesen keine Band oder so Spielt, sondern es hat ein DJ im Hintergrund aufgelegt. Woran es grundsätzlich nichts auszusetzen gibt, aber die Leute haben nicht gefeiert sondern sind einfach nur weiter gegangen. Wir hatten den Eindruckt, dass die Leute in die Stadt kommen, sich das 21:00 Uhr und 24:00 Uhr Feuerwerk angucken und wieder nach Hause fahren. Aber von Partystimmung war weit und breit nicht zu merken. Das Feuerwerk zur Neujahrwende war dann aber wirklich sehr schön anzusehen und dauerte sage und schreibe 15 Minuten. Sehr ungewohnt war auch, dass man sich nach 24:00 Uhr völlig unbeschwert auf der Straße bewegen kann, da man keinen Knallern oder fehlgeleiteten Raketen ausweichen muss. Die Australier machen einfach keine privaten Feuerwerke und ich glaube es ist auch verboten. Ich meine es macht auch sinn, bei der Trockenheit und den Temperaturen hier. Das nächste was verboten wurde, war der liebe Alkohol. Die gesamte Innenstadt war eine Alkoholfrei Zone und wer außerhalb von Clubs oder Bars mit Alkohol erwischt wurde, ist gleich mal um 50 AU$ (30€)ärmer gewesen. Um 2:00 Uhr war die „Party“ zu ende und kurze Zeit später wurde sogar schon sauber gemacht. Also haben wir uns wieder den Massen angeschlossen und sind nach hause gefahren. PICT1654
Ich muss sagen, dass war wie schon zu Weihnachten eine völlig neue Erfahrung. Ich fand sie recht amüsant und bin froh so etwas mal erlebt zu haben, trotzdem möchte ich das nächste Silvester wieder richtig feiern, so mit Kälte, Raketen und kleinen Brandlöchern in der Kleidung. Es klingt vielleicht komisch, aber ich bin es halt einfach gewohnt, mir den A***h abzufrieren, und wahrscheinlich werde ich mir im Dezember dann genau das Gegenteil wünschen. Der Vorteil an 30° und absoluter Nüchternheit ist aber, dass man ohne zu Frieren das 24:00 Uhr Feuerwerk bewundern und in aller Ruhe das vergangene Jahr Revue passieren lassen kann.
Ich für mich kann sagen, dass es ein ziemlich geniales Jahr 2005 war. Ich habe viele tolle Dinge gemacht, von denen mir einige so viel spaß gemacht haben, dass ich sie nach meiner Rückkehr wiederholen bzw. ausbauen werde. Ich sage nur Mt. Blanc, Hochtouren und Eisklettern. I like it! Auch habe ich eine ganze reihen an lieben, netten und irren Menschen kennen gelernt, wenn auch einmal zu ein ziemlich doofen Zeitpunkt.:)
Und natürlich Australien, wo ich anfangs einige Schwierigkeiten mit dem Einleben hatte, ich diesen Schritt aber nicht bereue, da es wieder viele, viele tolle Erfahrungen sein werden und ich hoffentlich in 12 Monaten in Berlin das Selbe über 2006 denken werde wie ich es über das vergangene Jahr gedacht habe.
Am 03.01.06 haben wir Melbourne wieder verlassen und haben uns auf den Weg zur Great Ocean Road gemacht. Irgendwo am Anfang dieser Road haben wir bei einem wirklich richtig schönem Lookout mit super Strand und riesigen Wellen angehalten. Unserem Auto hat dieser Ort anscheinend auch richtig gut gefallen, so dass es nicht mehr anspringen wollte und wir die Nacht an Ort und Stelle verbracht haben. Am nächsten morgen ist es dann doch mit viel Murren und Knurren angesprungen und wir sind direkt in den nächst größerem Ort zurück gefahren und haben es noch einmal in eine Werkstadt gegeben. Nach einem scharfen Blick in den Motorraum und einigen Tests meinte der Mechaniker, dass er einige Teile austauscht und wir das Auto in 1h abholen können. Gut dachten wir. Der Mechaniker hatte das Problem zwar wirklich nach einer Stunde behoben, war aber mit dem Resultat noch nicht 100%ig zufrieden und so bastelte er noch weitere vier Stunden an dem Auto herum. Die Mühe hat sich aber gelohnt, da unser Auto danach richtig gut lief und noch immer läuft. Nach dieser kurzen Unterbrechung sind wir am nächsten Tag aber wirklich die Great Ocean Road entlang gefahren, haben tolle Strände gesehen, sind durch Orte gekommen in denen sich alles nur ums Surfen drehte und haben auf einem kleinen Walk unseren ersten Koala bestaunen dürfen. Den Koala haben wir anfangs nur gehört, was ungefähr dem Brunftschrei einer wildgewordenen Wildschweinsau gleich kommt. In Dt. hätte ich wahrscheinlich meine Beine in die Hand genommen aber in Australien muss man vor einem Koala eigentlich keine Angst haben. Diese Pelztierchen sind doch eher gemütliche Zeitgenossen und bewegen sich, wenn sie sich mal bewegen, eher langsam. Fein damit kann ich den Koala auf meiner Tierliste auch abhaken, fehlt nur noch ein Emu. Koala-1-
Am Nachmittag haben wir auch noch die 12 Apostles besucht. Naja ich muss sagen, es schon ziemlich beeindruckend wie diese riesigen Steinsäulen da im Ocean stehen und es mit der Zeit immer weniger werden, da sie durch die Gewalt der Wellen irgendwann einstürzen. Aber da es nun mal die Touristenattraktion ist, muss man die Apostles fast zwischen all den Touris suchen, so viele laufen von denen hier rum. Schlimm:).
Ich denke wenn man die Great Ocean Road entlang fährt muss man auf jeden Fall hier anhalten und sich die Dinger kurz angucken, aber man sollte sich auch die nachfolgenden Steinformationen nicht entgehen lassen wie z. Bsp. Loch Arg, London Bridge und die Bay of Islands. Diese Attraktionen sind nicht ganz so Touri überlaufen und mindestens genauso schön, wenn nicht sogar teilw. schöner als die 12 Apostles.
G-O-R-12-Apostles-3- G-O-R-12-Apostles-1- G-O-R-Bay-of-Islands-6-
Tja und schwupp nach knapp 300km Great Ocean Road war sie auch schon wieder vorbei. Ich war ziemlich überrascht, dass wir die GOR in gut 1,5 Tagen abgearbeitet haben, da ich mit 1-2 Tage mehr gerechnet hatte.
Abschließend kann ich nur jedem Empfehlen der nach Melbourne kommt, sich die GOR anzugucken. Sie ist ein Paradies für Surfer, Kite-Surfer, Angler oder Leute die einfach nur eine beeindruckende Küstenlandschaft bestaunen wollen.
Apro pro Angler, eines nachts an einem Strand, bin ich Zeuge eines recht lustigen Schauspiels geworden. Neben uns hielt ein Auto, aus dem zwei Kerle sprangen und Meter lange Angelruten zusammen bastelten. Soweit nichts ungewöhnliches, wenn man vom Strand aus angelt, aber als sie dann einen Stromagregator anwarfen und damit + zwei riesigen 500 Watt Halogenstrahlern zum Strand hinunter liefen, dachte ich: ich bin im falschen Film. So sieht also Nachtangeln in Australien aus. Ok, aber wenn Luxus dann finde ich kann man auch einen kleinen LCD- TV+DVD Player mitnehmen und natürlich einen Kühlschrank für das Bier.
Next piont. The Grampians
Die Grampians bestehen aus ganz vielen Bergen, in denen man sehr gut wandern und gut klettern kann. In unserem Reiseführer stand, dass sie dass „Juwel von Victoria“ sind. Ich verbinde mit den Grampians Hitze, Hitze und weites, weites offenes Land. Sehr beeindruckend. Wir sind auf einige Berge gelaufen und alles was man vom top of the hill sieht ist open space. Grampians-9- Grampians-Mt-Aprupt-6-
Es war einfach atemberaubend, man guckt und sieht einfach nur trockene, gelbe Felder, grüne Wälder, vereinzelt einen blauen See und ansonsten einfach nur den Horizont. Sehr faszinierend war auch die Hitze. Wir haben einen Walk zum Mt. Zero bei bestimmt 40° im Schatten unternommen. Der Weg war eigentlich auch nicht schwer, aber wenn einem 40° das Hirn weich kochen kann auch eine leichte Wanderung etwas anstrengend werden. Ich habe mir unterwegs überlegt, wie ich euch den Zustand am besten beschreibe und mir ist nur ein Vergleich eingefallen. Um etwa das Feeling zu bekommen stellt ihr ein Laufband in eine 40-50° warme warm up Sauna, stellt auf dem Laufband den Bergmodus ein, macht noch einen schönen Eukalyptusaufguss und los geht’s. Wenn ihr nach 1,5-2,5h wieder aus der Sauna kommt wisst ihr ungefähr wie das hier so ist, nur mit dem kleinen Unterschied, dass ihr Duschen geht und wir nicht. Wirklich super Kreislauftrainig und schon einmal eine kleine Kostprobe was uns nächste Woche auf der Fahrt zum Uluru (Ayers Rock) erwartet. Am Sonntagabend sind wir noch zum Mt. Arapiles gefahren, dem Klettermekka in Victoria. Hier habe ich dann gleich meine neuen, etwas zu engen Kletterschuhe ausprobiert, bin etwas bouldern gegangen und habe den Aussies beim Rockclimbing zugeschaut. Ich finde es ist ein wirklich schönes Klettergebiet. Grampians-Mt-Arapiles-11- Grampians-Mt-Arapiles-3-
Es gibt lange, kurze, leichte, schwere Routen und man kann Wand-, Kamin- oder Risskletterei betreiben je nach dem welche Vorlieben man hat. So weit ich es sehen konnte, musste man alle Routen selber absichern, da es keine geklebten oder gebohrten Haken, geschweige denn oben eine Umlenke zum Abseilen. Das ist also noch richtiges puristisches Klettern, was sicher ganz spannend sein kann. Sehr schön ist auch, dass sich der Campground direkt am Fusse des Berges befindet und man eigentlich nur Kletterer trifft.
Am Dienstag haben wir planmäßig Adelaide erreicht, wo wir durch Zufall bei einem Freund von der Mitbewohnerin von Anne-Katrin aus Melbourne übernachten können, bei dem die Eltern gerade in Queensland unterwegs sind. Na mitgeschnitten?
Also am Montagabend hat Anne eine SMS von Breidy (Mitbewohnerin von Anne-Katrin) bekommen, dass wir sie in Adelaide treffen können und ob wir bei einem Freund (Maike) von Ihr übernachten möchten, der gerade ein leeres Haus zu hüten hat. Dieses Angebot haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Der Freund ist ein ganz lustiger Zeitgenosse, er ist in unserem Alter und studiert Fotografie in Perth. Was sehr günstig ist, da wir Perth ungefähr Mitte Februar besuchen wollten.
Nach einigen organisatorischen Angelegenheiten, unser Auto braucht nämlich vorne auch noch neu Bremsbelege und Anne musste mal einen Arzt aufsuchen, da sie seit Melbourne einen schmerzenden li. Fuß hat, der einfach nicht besser werden möchte, sind wir mit Maike, deren Cousine und ihrem Freund zu einem Kricketspiel gegangen. Da ich in meinem letzten Bericht das Thema Kricket schon einmal erwähnt habe, möchte ich nun mal versuchen euch ein wenig den Sinn oder auch Unsinn dieses Spiels zu erörtern.
Also es gibt zwei Mannschaften a 11 Spieler. Team Gelb stellt zwei Spieler in der Mitte des Spielfeldes auf die sich gegenüber stehen. Hinter jedem Spieler stehen drei, hüfthohe Stangen auf denen sich je ein Ball befindet. Dieses Tor muss der gelbe Spieler verteidigen, fällt ein Ball hinunter ist der Spieler raus und ein neuer kommt aufs Spielfeld.
Cricket-1-bear- Cricket-2-bear-
Das rote Team hat sich mit seinen elf Spieler um die zwei gelben Spieler aufgestellt. Soweit zur Aufstellung nun zum Spiel. Der Werfer aus dem roten Team wirft einen Ball auf den gelben Spieler, dieser schlägt den Ball möglichst so weg, dass die anderen Spieler des roten Teams ihn nicht so leicht in die Finger bekommen, denn in der Zeit in der der Ball unterwegs ist, versuchen die beiden gelben Spieler so oft wie möglich die Seiten zu tauschen. Dieses nennt man Run. Aufgabe des gelben Teams ist es, so viele Runs wie möglich in einem Spiel zu bekommen und dafür zu sorgen, dass das Tor nicht umgeworfen wird. Das rote Team versucht die gelben Spieler vom Spielfeld zu kicken, in dem es durch einen gezielten Wurf einen oder alle Bälle von dem Tor hinter dem gelben Spieler hinunter wirft. In der Zeit in der die Spieler unterwegs sind, ist das Tor unbewacht und damit eine gute Möglichkeit der roten Mannschaft das Tor zu treffen.
Ein gelber Spieler ist auch raus, wenn sein geschlagener Ball direkt aus der Luft gefangen wird. Nun könnte man sich ja denken, dass das mit dem rauskicken der Spieler keinen Sinn macht, aber wenn alle elf Spieler innerhalb von 20 Over raus sind, ist das Spiel vorbei und Team rot hat gewonnen. Damit wären wir auch schon bei der Spielzeit. Bei unserem Spiel dauerte eine Halbzeit 20 Over. In einem Over wirft ein roter Werfer 6-mal auf den gelben Spieler, wenn das Over vorbei ist, wirft ein anderer roter Werfer, diesmal aber von der anderen Seite auf den zweiten gelben Spieler. Nach 20 Over ist einen Halbzeit um und der ganze Spieß dreht einmal um und das Spiel geht von vorne los. Wie gesagt entweder es hat die Mannschaft gewonnen, die alle gegnerischen Spieler innerhalb der 20 Over vom Spielfeld verbannt hat oder die Mannschaft, die am Ende die meisten Runs hat. In unserem Spiel ist der erste Fall eingetreten. So ich hoffe ich konnte euch einen groben Überblick über die Spielregeln geben. Kricket sagt man ja nach, dass es ein ziemlich langweiliges Spiel ist gääääääääähn und dieses Vorurteil kann ich leider auch nicht widerlegen. Unsere 1. Halbzeit war noch recht spannend, aber die 2. war doch recht uninteressant und hat sich etwas in die Länge gezogen. Für mich wurde es zum Schluss noch einmal spannend als eigentlich klar war, dass die Gelben gewinnen werden und es nur noch darum ging ob sie es auch schaffen alle roten Spieler ins out zu bekommen. Sie haben es geschafft und was dann geschah war echt so witzig, dass ich es anfangs kaum glauben wollte. In der Sekunde als die Bälle von den Stangen purzelten sprangen die Leute auf und sind nach Hause gegangen. Es ist richtig, das Spiel war dann aus, aber in dt. bleibt man doch noch einige Minuten und feiert die siegreiche Mannschaft. Nicht so in AU, hier springt man auf als wenn man verfolgt wird. Den passionierten Kricketfan erkennt man an folgenden Dingen: Fernglas, Kreuzworträtsel für den Fall das es mal etwas länger dauert und evt. eine Kühlbox mit Essen u. Trinken. Unser Spiel ist ja bloß ein kurzes Game gewesen und dauerte nur 2h, es gibt aber auch Spiele die Tage dauern können und diese beinhalten dann auch eine Teatime. Mhmmm ist halt ein englisches Spiel. Und bekanntlich sind die Engländer teilw. sehr eigen. Egal, die Australier auf jeden Fall lieben dieses komische Spiel, wie wir deutschen das Fußball. Mich ausgenommen!
Hinterher waren wir noch in einem ziemlich coolen indischen Cafe, habe Chaitea getrunken und uns über australische und deutsche Silvestergewohnheiten ausgelassen. Sehr lustig.
Am Mittwoch (11.01.2006) hat uns Maike Adelaide gezeigt und abends haben wir am Strand Fish and Chips gegessen. Zu Adelaide gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Es ist eine schöne kleine Stadt mit vielen hübsche alten Häusern und unheimlich vielen Kirchen. Etwas außerhalb von Adelaide gibt es ein Lookout von dem man aus einem guten Überblick über die Stadt hat.
Morgen werde wir uns auf den Weg nach Alice Springs machen um das Outback etwas zu inspizieren.

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