Donnerstag, 22. Juni 2006

16.05.- 16.06.2006

Es ist Samstag Mittag und ich sitze mal wieder in meinem Arbeitszimmer, welches auch gleichzeitig Wohn- und Schlafzimmer ist, durch meine geöffnete Terrassentür beobachte ich wie der Regen langsam den Campingplatz in eine große Schlammpfütze verwandelt.
bjoern-linda-10-1
Vor meinem Auto, durch eine Plane vor dem Regen geschützt sitz Björn und versucht sich Gitarre spielen beizubringen. Seine Freundin Linda sitz in Ihrem Auto und verfasst Berichte für Ihre Homepage. Dieser Ort in dem wir uns gerade befinden heißt Gayndah und wie wir hier her gekommen sind, soll der Inhalt dieses Textes werden.
Vor 3 Wochen habe ich auf einem Campingplatz in Childers eingecheckt, der damit geworben hat Backpackern wie mir Arbeit auf den umliegenden Farmen zu vermitteln.
Schon der erste Eindruck von diesem Caravanpark war nicht der beste. Rhonda die Besitzerin machte einen ziemlich unfreundlichen Eindruck und ich bekam das Gefühl, dass sie mit Backpackern eigentlich nichts zu tun haben möchte.
Weil angeblich alle Stellplätze für Campervans besetzt waren, musste ich ein Zimmer in einer Backpackerunterkunft beziehen. Grundsätzlich habe ich kein Problem mit anderen Leuten in einem Raum zu schlafen, aber es ist irgendwie idiotisch sich auf einem Campingplatz ein Zimmer zu mieten, wenn man einen Van hat in dem man eigentlich wohnt. Im laufe der kommenden Woche habe ich noch zwei mal versucht ihr dieses Missverhältnis verständlich zu machen, auch habe ich sie darauf hingewiesen, dass mittlerweile einige Stellplätze frei sind, aber es führte einfach kein Weg hinein. Diese Frau hatte es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht auf gar keine Fall auf die Wünsche Ihrer Kunden einzugehen. Wahrscheinlich waren wir in Ihren Augen keine Kunden sondern nur nervige Backpacker die Ihr großzügiges Angebot, uns Arbeit zu vermitteln und gegen einen geringen Betrag auf Ihrem Campingplatz zu schlafen nicht zu schätzen wissen.
Nach dem einchecken und dem ausfüllen dutzender Formulare, musste ich auch noch, angeblich zu meiner eigenen Sicherheit meinen Pass an der Reception abgeben. Ich habe meinen Pass nur sehr widerwillig aus der Hand gegeben und dieser Fehler wird mir sicher kein zweites Mal unterlaufen. Von Sonntag bis zum nächsten Freitag habe ich Paprika geerntet. Diese Arbeit war körperlich die anstrengendste Tätigkeit die ich hier je ausgeübt habe.
1. Paprika wachsen am Boden und man bewegt sich die ganze Zeit in gebückter Haltung, was nach einigen Stunden ziemliche Rückenschmerzen verursacht. Außerdem muss das ganze auch noch abartig schnell geschehen.
2. Man pflückt die Paprika in einen großen roten Eimer, der wenn er voll ist 20 kg wiegt. Mit diesen 20 kg Paprika rennt man dann zum LKW und leert ihn dort aus.
3. Die Chemie. Ihr glaubt gar nicht wie verseucht dieses gesunde, rote Gemüse ist. Die grünen Blätter und die roten Schoten waren alle von einem weißem Staubfilm überzogen. Na dann Guten Appetit! Very healthy.
4. Die Vorarbeiter. Sie standen am Truck und brüllten die ganze Zeit so intelligente Motivationssprüche wie: Faster, faster o. Watch your line. Kick your bloody ass. Don’t leave any red once behinde. Zeitweise fühlte ich mich wie bei der Bundeswehr.
Das gute an dieser Geschichte war, dass ich viele nette und lustige Leute kennen gelernt haben. Wie zum Beispiel zwei Berliner Björn und Linda und zwei Franzosen Francois und Marie die in der Nähe von Paris wohnen.
Am Samstag war unser freier Tag und eigentlich hatten wir uns vorgestellt schön auszuschlafen, unsere Wunden zu lecken und einfach mal abzuspannen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne Rhonda gemacht. Um 7:00 Uhr in aller Herr Gotts Frühe stürmte diese schreckliche Person mit einem Besen und Wischmopp bewaffnet in mein Zimmer und fing an es sauber zu machen. Ich dachte ich bin im falschen Film. Gegen 10:00 Uhr bin ich zum 3. und letzten Mal in das Office gestiefelt um nach einer 10 minütigen Diskussion zu erfahren, dass Rhonda immer noch nicht bereit ist mir einer der vielen Freien Stellplätze für mein Van zu vermieten. Darauf hin beschloss ich mich Francois, Marie, Björn und Linda anzuschließen und diesen Ort sofort zu verlassen. Nun ging der Stress aber erst richtig los, da Rhonda ja noch im Besitz unserer Pässe war. Die beiden deutschen und Franzosen sollten für eine offenen Nacht gleich für die gesamte nächste Woche bezahlen und bei mir hing mein Reisepass an einem lächerlichem Bettlacken, welches nicht aufzufinden war. Nach einem sehr angeregtem Wortgefecht und 10 AU$ für das fehlende Bettlacken hatte ich meinen Pass wieder und konnte gehen. Die anderen vier brauchten zwar nicht mehr für die ganze Woche bezahlen, aber der Betrag für die eine Nacht war immer noch exorbitant hoch. Eigentlich würde ich von mir behaupten, dass ich ein ruhiger und friedfertiger Mensch bin, aber dieser Person hat mich so in rage gebracht, dass ich fast Mordgelüste hatte.
Rhonda verabschiedete uns zwar mit den Worten, dass sie auf der Stelle bei dem Farmer anrufen und unsere Jobs canceln wird, aber das hatten wir vorher schon mit dem Farmer direkt geklärt und so wurde aus ihrem kleinen Rachefeldzug nichts. Gemeinsam sind wir nach Bundaberg gefahren, haben uns auf einem sehr netten Campingplatz eingemietet und genossen den Rest unseres freien Tages. Bis zum kommenden Donnerstag haben wir noch Paprika geerntet und hatten gemeinsam eine menge Spass. Am Freitag hatten Björn, Linda und ich genug Rückenschmerzen und sind in das ca. 180 km entfernte Gayndah gefahren um dort Mandarinen zu pflücken. Die anderen beiden sind nach 2 Tagen nach gekommen, aber dann nach 3 Tagen weiter gefahren, um in Town 1770 an einen Tauchkurs teilzunehmen. Im Vergleich zu Paprika ist Mandarinen ernten direkt urlaub. Morgens bekommt man vom Farmer eine Tasche, einen Zange und einen Tracktor mit 6 großen Holzkisten (Bin).Mit diesem Equipment fährt man auf die Plantage und pflückt Mandarinen. Mandarinen wachsen an Bäumen und man pflückt sie nicht wie ein Apfel sondern man schneidet sie mit der Zange ab. Bezahlt wurden wir per Bin und einen Bin ist 1m3 groß und fasst zwischen 300 und 400 kg Mandarinen. Je nach dem wie groß die Früchte sind. Teilweise hatten wir Früchte die so klein wie größere Pflaumen oder so riesig wie Grapefruit waren. Im Schnitt pflückten wir drei zusammen 3-4 Bins pro Tag, was Geldtechnisch nicht sehr gut ist, aber Arbeitstechnisch 100 mal besser als Paprika ist. Das nächste Problem ist, dass wir zum ende der Saison hier angekommen sind und nach 10 Tagen wieder arbeitslos waren. Diese Odyssee reist aber auch nicht ab. Linda, Björn und Ich sind hier geblieben und können nach einer Woche Arbeitslosigkeit, am 13.06. eine neuen Job in einer Lagerhalle für Mandarinen antreten. Diesen Job verdanken wir unserer Campingplatzbesitzerin, die auch gleichzeitig Arbeit auf den umliegenden Farmen vermittelt. Diese Frau ist wirklich sehr nett, kompetent und eine wahre Wohltat im Vergleich zu Rhonda.
Die Woche Off haben wir drei hauptsächlich damit verbracht lange zu schlafen, Musik hören, DVD’s gucken, interessante Unterhaltungen zu führen und ich habe mein Auto teilweise repariert und zerstört. Mit den beiden kann man wirklich eine menge Spass haben, sie sind in meinem Alter, extrem liebenswert, locker und unkompliziert. Naja Berliner halt, was soll ich da noch sagen.
Sie sind seit Februar mit einem World Aroundticket unterwegs, sind 5 Wochen via Bus und Bahn durch Indien gereist, haben sich eine Woche lang Bangkok angeschaut und sind seit Mitte März in Australien um hier drei Monate auf Farmen zu arbeiten und ein zweites Work and Holiday Visum für einen zweiten Aufenthalt zu bekommen. Weiter geht ihre Reise nach Neuseeland, Chile und Canada. Angesetzt war dieses Projekt für ein Jahr, da sie aber schon in AU länger als geplant bleiben und auch in NZ und Canada arbeiten wollen, haben sie letztens Ihren Eltern und Freunden mitgeteilt, dass sie bis jetzt ca. 3 Monate länger unterwegs sein werden. Genial oder? Die Reiseroute finde ich extrem spannend und nach ihren Erzählungen von Indien bin ich sehr gespannt was die Beiden in den nächsten 12 Monaten erleben werden und ob es wirklich bei den 3 Monaten bleibt oder ob es nicht doch noch mehr werden. Wundern würde es mich auf jeden Fall nicht. Björn & Linda haben auch eine Internetseite auf der regelmäßig spannende und witzige Reiseberichte mit fszinierenden Bildern veröffentlicht werden.
(Link ist re. in der Menueleiste)
www.zis.tu-dresden.de/reise
Auf der einen Seite beneide ich die Beiden ein wenig um ihre Reiseroute, auf der anderen Seite bin ich aber auch froh, dass ich in einigen Monaten in mein Berlin zurück kehre. Es ist komisch Anfang Januar dachte ich noch jetzt geht es richtig los und nun 6 Monate später bin ich um unzählige Erfahrungen und Eindrücke reicher und freu mich darauf meine Familie, Freundin und Freunde wieder zu sehen. Australien ist ein beeindruckendes Land, Kontinent, Insel ideal zum reisen und ich bin vom Reisefiber hier erst so richtig infiziert worden, aber es ist nicht mein Land in dem ich leben möchte. Ich könnte mir in einigen Jahren vorstellen die Idee von Björn und Linda noch einmal auf zu greifen und mit einem World Aroundticket Asien, NZ, Südamerika, Canada u.s.w. zu bereisen. Vielleicht kann man es gleich mit einigen Bergbesteigungen und Klettertouren in den jeweiligen Ländern verbinden. Oder eventuell auch etwas ganz anders machen, man weiß ja nicht was die Zukunft noch bringt. Lassen wir uns überraschen.
Just in diesem Augenblick fällt mir endlich ein warum ich eigentlich nach Australien gekommen bin. Toll nach 8 Monaten die Erkenntnis. Mein Hauptmotiv, als ich von Dt. los geflogen bin war: Es einfach mal gemacht zu haben und wann wenn nicht jetzt. Es war kein Selbstfindungstrip und kein lang gehegter Traum, der jetzt verwirklicht wird. Es war einfach eine Laune. Nun 8 Monate später möchte ich der Reise ein weiteres Motiv hinzu fügen. Ideenfindungstrip
Einfach Idee und Anregungen sammeln und diese dann eventuell irgendwann mal umzusetzen.
Mitleerweile sind es so viele Idee, dass ich mich in ihnen fast wieder verliere.

So genug seniert, die Sonne scheint wieder (2 Tage später) und die Schlammpfützen sind auch wieder getrocknet. Björn ist zwar immer noch meilenweit von einer Profigitarrenspielerkarriere entfernt, aber das wird schon. Prophylaktisch werde ich mir schon mal ein T-Shirt von Ihm signieren lassen.

Bjoern und Linda
bjoern-linda-7- bjoern-linda-14-
Francois und Marie
francoia-marie-2-
Bilder von der Mandarinenplantage
gayndah-2- mandarine
gayndah-15-sw3 gayndah-17-sw-kopie gayndah-19-sw-kopie1

Aktuelle Beiträge

Abschlussbericht
Hallo liebe Leute in Nah und Fern, Nun ist es schon...
vollton38 - 9. Nov, 17:53
13.06.- 30.06.2006
Guten Morgen, bei mir schlägt die Uhr gerade 8:40 Uhr....
vollton38 - 30. Jun, 10:10
16.05.- 16.06.2006
Es ist Samstag Mittag und ich sitze mal wieder in meinem...
vollton38 - 22. Jun, 08:18
Reiseroute
vollton38 - 1. Jun, 08:59
15.04.- 15.05.2006
So nach knapp vier Wochen schreibstille dachte ich...
vollton38 - 22. Mai, 11:16

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Reiseberichte
Reiseroute
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren