Freitag, 7. April 2006

Reiseroute

Map-bear1

17.03.-06.04.2006

Kurze Einleitung
Dieser Bericht ist in mehreren Etappen entstanden, was sich daraus ergeben hat, dass ich es aus arbeitstechnischen Gründen nicht geschafft habe den ersten Teil wie geplant vor 1,5 Wochen auf meiner Site zu veröffentlichen. Auch hatte ich keine Lust den Bericht an dauert zu ändern, also entschuldigt bitte eventuelle Wiederholungen.

Es ist Freitag der 24.03.06 und der Zeiger meiner Digitaluhr zeigt 19:40 Uhr an. Ich sitze gerade in unserer alten aber tapferen Lady, blicke auf tausenden von Weinstöcken, hinter denen sich gerade der Horizont orange-rot färbt, der Geruch von vergorenen Weintrauben steigt mir in die Nase und ich stellen mit erschrecken fest, dass schon wieder eine Woche um ist, die zwar nicht sonderlich spannend war, aber doch eine große Veränderung mit sich gebracht hat.
Am Freitag (17.03.06) sind wir gegen Mittag, etwas wehmütig, weil die Leute bei denen wir die letzten 3 Nächte geschlafen haben super lieb waren aus Perth in Richtung Kalgoorlie aufgebrochen. Nach ca. dem viertel der Strecke wurde es langsam Abend und wir hatten beschlossen einen Rastplatz, etwas abseits des Highways am zweit o. dritt größten Monolithen, Kokabin Rock zu schlafen. Mit dem Monolithen bin ich mir nicht ganz sicher ob es nun der 2. größte von AU ist oder der 2. größte von Western Australia oder vielleicht doch ganz anders. Wir sind nämlich etwas durch einander. Wir haben angenommen, dass Uluru der größte Monolith auf der Welt ist, dem nach wäre unserer der 2.größte. Nun haben wir aber in WA davon gelesen, dass man dort den größten Felsen finden kann (Mt. Augusta), dem nach rückt Uluru auf Platz Nr. 2 und unserer auf den 3. Platz. Na gut haben wir uns gedacht, vielleicht ist ja Uluru der größte Monolith von Nothern Territory, aber wir waren uns fast sicher, dass die die ganze vom größten Monolithen der Welt gesprochen hatten. Ich hoffe Ihr versteht unsere Verwirrtheit.
Tja nun würde ich euch ja gerne des Rätsels Lösung präsentieren, aber das kann ich leider nicht genau, da in meinem Reiseführer, der eigentlich recht kompetent ist drin steht, dass Mt. Augustus „the biggest rock in the wold“ ist und Uluru „the wold’s biggist monlith“ ist. Wo liegt der Unterschied zwischen monolith und rock? Ich hab zwar leider keine Höhenangaben zum Mt. Augustus gefunden, aber ich glaube der größte Felsen/Felsblock ist er nicht, da wir wahrscheinlich im Elbsandsteingebirge höhere Felsen haben.:) Ich denke folgendes, um dieses Thema mal zum Abschluss zu bringen. Uluru ist der größte Monolith der Welt, Mt. Augustus ist der größte Felsen von WA und Kokabin Rock vergessen wir mal - war eh unspannend.
Du siehst Anne ich habe es wirklich versucht eine Lösung zu finden, wenn ich daran denke forsche ich aber noch einmal im www nach.
Zurück zur Story.
Diesen pseudo-2.größten Monolithen in absoluter Dunkelheit und irgendwo im Hinterland von WA zu finden war gar nicht so einfach und noch einmal richtig abenteuerlich. Irgendwann wurde die asphaltierte Straße zu einer Sandpiste, die Straßenschilder waren auch nicht wirklich hilfreich und die Abzweigung an der wir abbiegen wollten gab es einfach nicht.
Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben und haben beschlossen diese Straße nur noch bis zum Ende zu fahren, da war auf einmal unsere ersehnte Straße und der Rastplatz. Anschließend haben wir herausgefunden, dass die Wegbeschreibung von der anderen Richtung ausgegangen war.
Kokerbin-Rock-WA-3- Kokerbin-Rock-WA-9-
Am Sonntag haben wir uns Kalgoorlie angeschaut. Diese Stadt ist einst mal DIE Goldgräberstadt mit prachtvollen Hotels, Bars und noch weiteren schönen Gebäuden gewesen. Heute wird hier zwar immer noch Gold abgebaut aber ich denke Sie lebt mehr vom Tourismus. Kalgoorlie-WA-5-
Wir hatten glück und es war Markttag, was für uns hieß, dass wir eine kostenlosen Führung im Super Pit bekommen haben. Der Super Pit ist ein riesiger Krater in dem ernorme Mengen an Gestein abgebaut werden und nebenbei wird auch noch Gold gefunden. Der Super Pit soll sich angeblich auf einer großen Goldader befinden, die Mengen an Gold sind aber recht gering. Die Dimensionen dieses Loches und der Maschinen waren aber schon sehr beeindruckend.
Kalgoorlie-WA-11- Kalgoorlie-WA-7-
Tja und dann war da noch die große Veränderung von der ich am Anfang geschrieben habe.
Kalgoorlie war die letzte Stadt auf unserer 6 monatigen Reise, die sich Anne und ich gemeinsam angeschaut haben. In den frühen Morgenstunden des Montages ist Anne in den Indian Pacific gestiegen und ist nach Sydney gefahren von wo aus Sie dann wieder nach Berlin fliegt.
Zum Abschied sind wir zum ersten Mal in AU Essen gegangen. Ehrlich wir haben es in sechs Monaten nicht geschafft in ein Restaurante ein zukehren, es waren immer nur Take away’s. Das Beste zum Schluss und der Abend war wirklich nett. Wir haben die vergangene Zeit noch einmal Revue passieren lassen und haben festgestellt, dass wir eine tolle Zeit hatten, viel gesehen haben, sehr nette Menschen kennen gelernt haben und das wir uns trotz einiger Meinungsverschiedenheiten doch ganz gut verstanden haben und das es keiner Bereut mit dem anderen losgefahren zu sein. Gegen 24:00 Uhr haben wir uns verabschiedet, Anne ist in Ihren Zug gestiegen und ich habe mein MP3-Player angeworfen und bin noch bis morgens 7:30 Uhr Auto gefahren. Ich hatte mir vorgenommen den Sonnenaufgang im Nullabor zu sehen und zu fotografieren. Außerdem wollte ich am Mittwoch in Port Augusta (SA) sein. Die Nachtfahrt war im wahrsten Sinne des Wortes ein tierisches Erlebnis, da man nachts teilw. mehr Tiere sieht als am Tage. Kangaroos am Straßenrand, Kangaroos auf der Straße, Hasen auf der Straße und so weiter. Es ist aber alles gut gegangen und so konnte ich den Sonnenaufgang im Nullarbor genießen und hinterher etwas schlafen. Am Mittwoch gegen 13:30 Uhr bin ich nach unendlich langweiligen 1874km in Port Augusta angekommen und habe mich dort gleich um einen Job in Victoria oder New South Wales bemüht. Nach dem 3.Telefonat hatte ich eine wage Zusage für einen Job bei Mildura, genaueres könne man mir aber erst sagen, wenn ich dort sei. Und weil ich ja noch nicht genug gefahren bin, habe ich mich gleich auf den Weg gemacht, da ich am nächsten Tag dort sein wollte. Am zeitigen Donnerstagnachmittag hatte ich die 700km hinter mir und einen Job auf einer Weinplantage. Juhu da haben sich die Strapazen doch gelohnt. Die Arbeit ist, momentan jeden Falls noch ziemlich lustig und macht direkt etwas Spaß. Ich muss nicht etwa bei 35°C in der prallen Sonne Trauben ernten, nein mein Arbeitsplatz hat angenehme 1,3°C und heißt Kühllager. Dort muss ich mit einigen anderen in voll gepackte Styroporkisten ein Flies legen, welches Pilzbefall der Trauben verhindern soll, der nächste faltet die Tüte zusammen, der dritte verschließt sie mit einem Deckel und ein vierter stapelt die fertigen Kisten auf einer Palette. Robinvil
Fließbandarbeit halt, aber lustig und wenn man sich beeilt wird einem sogar warm. Einen Schock bekomme ich bloß, wenn ich zur Pause in die Sonne trete und mir sofort der Schweiß läuft. Hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich mal auf dem wärmsten Kontinent in einem Kühllager arbeite. Macht aber irgendwie Sinn oder? Diese ewige Hitze erträgt ja auch keiner auf Dauer. Oder wie seht IHR das? Naja ich finde es super, in meinem normalen Job in Berlin arbeite ich zeitweise bei 30°C und extrem hoher Luftfeuchte, also nun mal das Gegenteil.
Nach einer Woche alleine durch die Gegend fahren, fange ich an mich daran zu gewöhnen, dass nun der Rucksack mein Beifahrer ist und ich denke ich werde ihn Wilson nennen und ihm ein Gesicht malen.:)
Die ersten zwei Tage im Nullabor waren schon ziemlich ungewohnt und ich muss zugeben, dass ich mich zeitweise recht einsam gefühlt habe. Aber wie gesagt nach einer Woche geht es allmählich und vielleicht finde ich ja irgendwo unterwegs eine nette Backpackerin, die mich die Ostküste entlang begleitet.:)))))
Naja die nächsten drei Wochen werde ich wohl Weintrauben verpacken und was ich danach mache muss ich mir noch überlegen- hab ja jetzt genug Zeit. Ich vermute mal langsam Richtung Sydney und Queensland fahren.

Zum Schluss noch einige Zahlen.
In 6 Monaten haben wir 23.481km zurückgelegt davon bin ich in den letzten vier Tagen 2574km gefahren. Ich weiß nicht was das in Europa ist, vielleicht Berlin-Moskau oder Paris-Moskau oder Nordkap-Rom?????? Ich werde mal nachforschen.
Wir sind in 6 von 7 Bundesstaaten gewesen und haben außer Brisbane, Cairns und Darwin alle größeren Städte gesehen. Unser Auto hat im Großen und Ganzen auch gut durch gehalten. Es brauchte nur 4x einen Mechaniker, 4 neue Reifen, eine neue Bremsleitung, einige Teile im Motorraum, 14l Öl und langsam mal eine Autowäsche und evtl. einen neuen Luftfilter.
Mitleerweile ist es 23:30 Uhr, die Sonne hat sich in eine Glühlampe verwandelt, wenn ich raus schauen möchte sehe ich nur noch mein Handtuch, welches ich zum Trocknen aufgehängt habe und ich denke es ist Zeit für mich etwas Augenpflege zu betreiben. Morgen muss ich schließlich wieder früh raus.

Woche 27.03.- 06.04.2006

Die letzten 15 Tage habe ich fast durch gehend in einem begehbaren Kühlaschrank mit Unmengen von Weintrauben, Grapes oder in koreanisch Poto gearbeitet.
Kurz mein Tagesablauf.
Gegen 5:05 Uhr ist mein Mobiltelefon der Meinung, dass ich lange genug geschlafen habe und langsam aufstehen soll. Das erste Klingeln ignoriere ich erst einmal und ich quäle mich erst nach dem zweiten Ermahnen langsam aus dem warmen Bett. Alles Folgende geschieht fast automatisch. Anziehen, Tee kochen, Morgentoiletten, Frühstücken und Sachen für die Arbeit packen. Gegen 6:00 Uhr trotte ich langsam durch die morgendliche Dunkelheit in den Shed (Lagerhalle, Schuppen), wo ich mich wenige Minuten später meine Stempelkarte in der Stechuhr versenke. Dieses Zeitmanagementgerät ist nicht ganz so modern wie das in dem Krankenhaus in dem ich normalerweise in Berlin arbeite und wünscht mir nicht „Viel Spass“.
Von 6:00 – 7:00 Uhr helfe ich beim säubern der Fliesbandanlage vom Vortag, ab 7:00 Uhr wechsel ich in den Kühlraum und verschließe und stapel mit einigen anderen Travellers Styropore Kisten. Die Dauer dieser Arbeit variiert, aber normalerweise sind wir gegen 16:00 Uhr damit fertig. Anschließend machen wir noch sauber und bereiten noch einiges für den nächsten Tag vor. Die Arbeiten, die ich dann erledige sind unterschiedlich. Entweder falte ich plastik Tüten in Styropore Kisten oder ich klebe Firmensticker auf die fertigen Kisten. Tüten falten ist extrem langweilig und ich versuche diesem Job so oft wie möglich zu entgehen. Sticker kleben finde ich da schon, na ja ich möchte nicht sagen spannend aber zu mindestens spannender. Die Temperaturen in den Kühlräumen sind unterschiedlich. In dem Raum in dem wir die Trauben verpacken, sind es angenehme 1- 2,5°C, in dem wo die Grapes zwischen gelagert werden und wo wir die Sticker kleben sind es nur 0- -1°C. Brrrrr
Gegen 19:30 Uhr ist Feierabend und ich gehe dann ausgiebig duschen, koch mir etwas zu essen, höre Musik oder Hörbuch und gegen 22:00 Uhr schließe ich meine Augen. Ihr seht da ist wenig Zeit um irgendetwas in der Stadt zu erledigen, so mal das Internetcafe auch gegen 17:00 Uhr schließt. Die einzigste Möglichkeit zum Einkaufen oder Ähnliches ist der Freitag, dort habe ich gegen 17:00 Uhr Feierabend oder man macht einfach früher Feierabend. PICT3944 PICT3949 PICT3955
Die Arbeit ist zum großen Teil ganz spaßig und die Leute sind auch gut drauf. Hauptsächlich arbeite ich mit koreanischen Backpackern zusammen, aber auch Vietnamesen, Afghanen, Philipinesen, vier Israelis, ein Franzose und einige Australier findet man hier. Ich schätze ich werde noch ein oder zwei Wochen hier bleiben und dann nach Queensland fahren um mal wieder Urlaub zu machen.
Wettertechnisch hat es sich in den letzten zwei Wochen ordentlich abgekühlt.
Am Tage sind es nur noch 20- 25°C und in der Nacht fällt die Quecksilbersäule schon mal auf unter 10°C und seit einigen Tagen beheize ich das Auto abends mit einem kleinen Heizlüfter. Solche Temperaturen bin ich gar nicht mehr gewöhnt, obwohl ich es grundsätzlich besser finde bei 10°C zu schlafen als bei 25°C.
Tja bei euch wird es langsam Frühling und hier hält mit großen Schritten der Herbst Einzug.

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