Donnerstag, 16. März 2006

27.02.-08.03.2006

Diese eineinhalb Wochen bekommen von mir den Namen „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Aber der Reihe nach.
Am 27. Februar haben wir uns Geraldton angeschaut und einige Dinge erledigt. Ich habe mich um meinen Rückflugstermin gekümmert und Anne hat sich eine Unterkunft in Sydney organisiert. Die Sache mit meinem Flugticket war eine etwas nervige Angelegenheit. Kurz zu meinem Ticket. Ich habe mir in Dt. ein so genantes offenes Ticket gekauft, welches ein Jahr gültig ist und noch kein festen Rückflugstermin hat. Diesen Termin kann man dann vor Ort selber festlegen und genau das wollte ich seit Perth machen, was aber aus verschiedenen Gründen nicht ging. 1. Ich konnte nicht, wie angenommen in jedes x beliebige Reisebüro laufen um den Termin festzulegen, sondern musste direkt zur Airline gehen. Gut Perth hat bzw. hatte eine Austrian Airline Filiale. Zu der bin auch hin gestiefelt und habe dort erfahren, dass Austrian umgezogen ist und keine Filiale mehr in Perth hat sondern nur noch in Sydney und Melbourne, aber wenigstens konnte mir der nette Mann eine kostenlose Servicenummer geben bei der ich doch mal anrufen sollte. Am Montag habe ich nach 20min Warteschleife, mit netten Werbesprüchen und Informationen zum Gewicht seiner Gepäckstücke auch tatsächliche eine nette, weibliche Servicefachkraft erreicht, der ich mein Anliegen geschildert habe und sie mir sogar weiterhelfen konnte. Am Ende dieses Telefonats kannte ich die Spinnweben in den Ecken der Telefonzelle auswendig und hatte ein Rückflugtermin im August. Die Stadt Geralton ist eigentlich eher unspannend. Halt eine kleine Stadt mit einer hübschen Ladenstraße, einem Shoppingcenter und einem Warmemorial. Richtig toll fand ich die Buchläden in denen man neben Bücher auch Kaffe und Kuchen in netter Atmosphäre genießen und im Internet surfen konnte.
Am Nachmittag sind wir in den Kalbarri Nationalpark gefahren, dort wollten wir die Nacht verbringen und am nächsten Tag eine kleine Wanderung unternehmen. Als wir einen hübschen Platz zum schlafen gefunden hatten und wir das Auto ordnungsgemäß parkten, haben wir leider festgestellt, dass es hin dieser Gegend unheimlich viele Fliegen gibt. Kaum hat man einen Schritt nach draußen gemacht, ist man von einer schwarzen Traube umgeben gewesen, die einen nicht mehr in ruhe gelassen hat. Gott sei dank ist relativ zügig die Sonne untergegangen und mit der Dunkelheit gingen die Fliegen. Nur leider folgt nach der Nacht der Morgen und die Fliegen waren ordentlich ausgeschlafen und anscheinend hoch motiviert meine Nerven zustrapazieren. Das Frühstück war reiner Kampf und ich hatten mühe meine Fruitrings und mein Toast gegen die schwarzen, fliegenden Biester zu verteidigen. Es ist schon ziemlich lästig und extrem Nervig, wenn es in einer Tour um einem herum summt, es überall krabbelt und diese Viecher versuchen Nase, Augen und Ohren zu entern.
Fliegenprobleme-WA-1-
Nach einer kleinen Wanderung wollten wir weiter fahren, was aber nicht ging, da unser Auto mal wieder nicht ansprang. Noch zwei Tage zuvor habe ich mit meiner Mutter telefoniert und sie meinte noch wie toll doch unser Auto fährt und dann das. Nach 20 min erfolglosen Startversuchen war unsere Batterie leer und somit hat sich Anne an die Straße gestellt und ein Auto angehalten welches uns Starthilfe gegen konnte. Nach dem ich das rote Kabel an das rote und das schwarze an das schwarze meiner Batterie geklemmt habe und unser neuer bester Freund das selbe getan hatte, hat es komisches geknistert und Qualm stieg von unserer Batterie auf. Ein Kurzschluss. Nach kurzem kontrollieren habe ich den Fehler gefunden. Und zwar ist bei unserer Batterie das rote Kabel der Minuspol und das Schwarze der Pluspol. Zu dumm nur, dass bei dieser Aktion unser Starthilfekabel durchgeschmort war und der andere keins hatte. Aber die Einheimischen waren nett und haben uns in den nächsten Ort, Kalbarri zu einer Werkstadt gefahren. Dort haben wir einen Augenblick gewartet und sind dann mit einem Mechaniker wieder zu unserem Auto gefahren. Dieser konnte uns erfolgreich Starthilfe geben und so haben wir uns mal wieder auf den Weg in eine Werkstat gemacht. Der Mensch in der Werkstat wollte uns Anfangs nicht helfen, weil er uns falsch verstanden hatte und dachte es sein Problem mit der Batterie und kein mechanisches/elektronisches. Nach dem unser Auto aber vor seiner Werkstat wieder nicht ansprang, hat er doch einen Blick in den Motorraum geworfen und nach 30 min und einem neuen Kabel war das Problem behoben. Mal sehen für wie lange?
Anschließend sind wir wieder in den Kalbarri NP gefahren und haben noch eine kleine Wanderung durch einen Canyon gemacht. Eigentlich sollte diese Wanderung eine Rundwanderung sein, aber nachdem wir den nächsten Wegweiser gerade so in den Fluten des Flusses ausmachen konnten, haben wir uns entschlossen denselben Weg, den wir gekommen waren wieder zurück zu nehmen.
Kalbarri-NP-WA-43- Kalbarri-NP-WA-34- Kalbarri-NP-WA-50-
Unser nächster Stopp war der Hamelin Pool an der Shark Bay. Dort haben wir uns die ältesten, lebenden Organismen angeschaut, die Wissenschaftler bis jetzt entdeckt haben. Diese Lebensformen heißen Stromatolieten und sind ca. 1900 mio Jahre alt. Stromatoliten-WA-6-
Anschließend sind wir an den Shell Beach gefahren um mal etwas im Indischen Ozean baden zu gehen. Das Interessante am Shell Beach war, wie der Name ja schon verrät der gesamte Strand aus größeren und kleineren Muscheln bestand. Ehrlich das weiß auf den Bildern ist wirklich kein feiner Sand, sondern sind aber Millionen von Muscheln. Ohne eine geeignete Unterlage ist das sonnen dort auch gleichzeitig peeling.
Shell-Beach-WA Shell-Beach-WA-2-
Ich habe den Fehler gemacht und bin ohne Flip-Flops zum Auto gerannt was bestimmt unheimlich lustig aussah, aber doch etwas weh tat an den Fußsohlen. Ihr kennt doch OTTO oder? Egal das Wasser war auf jeden Fall mal wieder richtig klar und hatte ca. 25°C Wassertemperatur, also ideal zum chillen im Wasser.
Am selben Tag haben wir in Denham auf einem Campingplatz übernachtet und wir wollten gerade aufbrechen um Fish’n Chips essen zu gehen, da spricht uns Ray an und nach einem kurzem small talk waren wir zum frisch geangelten Fisch essen bei ihm und seiner Freundin eingeladen. Die Geschichte zu den beiden ist, wie ich finde typisch Australisch und symbolisiert etwas die Lebendseinstellung der Aussies. Sie kommen aus Melbourne, haben gerade ihren Arbeitgeber gewechselt und verbinden den Umzug von Melbourne nach Port Hedland (kleiner Ort im Norden WA) mit einer Reise durch WA. Ach so beide arbeiten als Pflegepersonal mit psychisch Kranke Patienten zusammen. Willkommen im Club. Die beiden waren sehr lustig und der Fisch war unheimlich lecker. Im laufe des Abends haben wir uns ausgiebig über unsere Eindrücke von den Aboridginals unterhalten, was sehr interessant war, da ihre Sichtweise in etwa der unserer entsprochen hat. Nach den Abogininals wurde dann noch kurz Politik angeschnitten, was aber recht zügig wieder beendet wurde, da er sich so in rage agitiert hat, dass er anschließend seine Gitarre herausgeholt hat und zum runterkommen erst einmal schön Blues gespielt hat. Denham-8-
Ich bin normalerweise für diese Musikrichtung nicht so zu haben, aber für diese Stimmung war es genau die richtige Musik. Ich habe diesen fantastischen Abend sehr genossen und bin irgendwann wohlgesättigt ins Bett gegangen.
Am nächsten Morgen haben wir uns in Monkey Mia Delphine angeschaut und waren anschließend noch baden. Die Delphine fand ich nicht so spannend, was aber sicher daran liegt, dass mich die meisten Tiere eh nicht so rocken. Etwas abseits am Strand standen noch einige Pelikane (glaube ich), die wiederum fand ich dreimal spannender als Flipper. Lustig war mit anzusehen, wie diese Vögel ihren Kopf nach hinten gedreht haben um zu schlafen. Sehr praktisch, wenn ich das könnte, wäre das schlafen in der U-Bahn nicht mehr so anstrengend. Monkey-Mia-WA-14-
Der nächste wirklich erwähnens Werte Stopp war Coral Bay am Ningaloo Reef. An diesem schönem Strand mit seinem klarem, blauem Wasser kann man nur eins machen Schnorcheln, Tauchen oder Kajak fahren. Das Ningaloo Reef ist das am dichtesten an der Küste gelegene Korallenriff in Australien, was heißt das man vom Strand aus einige Meter rausschwimmt und schon sieht man große und kleine bunte Fische und Korallen. Die Korallen waren leider nicht so bunt aber trotzdem sehr beeindruckend. Das schöne ist auch gewesen, dass man kaum schwimmen musste, man ist einfach an das eine Ende des Strandes gelaufen, ist dann einige Meter auf das Meer rausgeschwommen und dann hat man sich mit der Strömung an das andere Ende treiben lassen. Sehr angenehm, nur wenn man an deiner Stelle länger verweilen wollte musste man seine Flossen bewegen. Nach einem ziemlich beeindruckenden und Quallenfreiem Schnorchelerlebnis sind wir zu unserem letzten Ort an der Westküste Gefahren. In Exmouth sind wir zwei Tage geblieben, waren etwas Schnorcheln und im Cape Range NP wandern. Schnorcheltechnisch bin ich etwas enttäuscht gewesen, da man kaum etwas gesehen und die Strömung noch stärker war als in Coral Bay. Das wir kaum Pflanzen gesehen haben, lag vor allem aber daran, dass hier vor einigen Jahren ein sehr starker Cyklon vorbei kam und ziemlich viel zerstört hat. Unsere Planung für die nächsten Tage sah vor, dass wir von Exmouth landeinwärts in den Karijini NP fahren, ein-zwei Tage dort verbringen und anschließend durch das landesinnere zurück nach Perth fahren.
Dieser Plan scheiterte als wir am Nanutarra Roadhouse nachtanken wollten und uns die nette Dame erzählte, dass die einzige Straße zu diesem NP gesperrt sei, weil eine Brücke in folge des Cyklons Emma eingestürzt war. Willkommen in Australien. Fluss-Nanutarra-Rh-WA-11-
Es gab zwar noch einen anderen Weg, weiter an der Küste nach Norden und dann zurück ins Landesinnere, aber das wären 760km mehr gewesen und darauf hatten wir keine Lust. Eine Nachricht, die Hoffung bei uns weckte war, dass an der Brücke gearbeitet wird und sie evtl. heute Abend wieder passierbar ist. Also habe wir im teuersten Roadhouse an Westküste den Tag irgendwo im nirgendwo verbracht, abwechseln mal im klimatisierten Cafe, mal im Saunaauto. Gegen 16:00 Uhr, als wir gerade aufbrechen wollten kam der Roadinspector vorbei und meinte, dass die Brücke weiterhin gesperrt ist und er auch nicht versichern kann, dass sie morgen oder Übermorgen geöffnet wird. Ok, da es hier in der Gegend ausser nichts und noch mal nichts, nix zu sehen gab, haben wir beschlossen langsam nach Perth zurück zu fahren. Das Problem bestand nur darin, dass Annes Zug erst am 20.03. von Kalgoorlie fuhr und wir jetzt enorm viel Zeit hatten mit der wir nicht genau wussten was wir mit ihr anstellen sollten. Alle Sehenswürdigkeiten an der Westküste hatten wir gesehen und auf Grund der Hitze und der Fliegen hatten man auch keine große Lust an einem Ort länger zu verweilen. Anne hatte zwar noch eine recht gute Idee wie wir die Zeit nutzen könnten, aber dazu hätten wir nach Sydney gemusst und das funktionierte nicht, weil wir das Auto nicht von Perth nach Sydney via Zug transportieren konnten. Also sind wir ganz entspannt den selben Weg zurück gefahren, habe noch einige Abstecher zu einem benedecktiener Kloster und einem Center was sich mit Gravitation beschäftigt gemacht. Das Gravitationscenter war ganz informativ, obwohl mir leider teilweise die Vorstellungskraft für die Ideen und Theorien der Physiker und Mathematiker fehlt. Aber lustige Poster mit Zitaten von Einstein gab es dort, die man aber leider nicht gegen Bares erstehen konnte. Sind halt Wissenschaftler und keine Tourismusexperten.
Am Dienstag den 14.03.06 waren wir wieder in Freo (Fremantle) und haben uns mit Mike, dem Fotografiestudent aus Perth den wir in Adelaide Anfang Januar kennen gelernt haben und einigen Freunden von ihm auf ein Bier getroffen. Seine Freunde waren Rosie u. Jeremy, ein wirklich sehr nettes Pärchen und ein Typ von dem mir der Name schon wieder entfallen ist. Ich weiß ich habe kein gutes Namensgedächtnis. Rosi und Jeremy sind in unserem Alter und sind verheiratet. Uns ist aufgefallen, dass viele Australier jung heiraten, Haus und Familien haben. Mit jung meine ich, in meinem Alter und früher, was ich wirklich erstaunlich finde, das sich junge Mensche so zeitig so fest binden. Ich finde es jetzt nicht schlimm, es verwundert mich nur jedes mal wieder, wenn ich Pärchen in meinem Alter begegne und sich dann herausstellt, dass sie x Jahren verheiratet sind und ein Haus nicht weit vom Strand besitzen.
Ich muss ja zugeben der erste Gedanke, der mir dann meistens durch den Kopf schießt ist: „Oh Gott, ihr seit doch noch so jung, macht keine Dummheiten!“, aber die „Dummheit“ ist ja zu diesem Zeitpunkt schon vollbracht und dann folgt Respekt und Anerkennung für diese enorme Leistung. Außerdem schießt mir meistens durch den Kopf: “Oh Schreck die beiden hier vor mir sind verheiratet, haben Haus und dem nächst stehen wohl Kinder an und ich? Ich, ein vierteljahrhundert alt, habe weder das eine noch das andere und mache Dinge auf die ich gerade Lust habe wann ich will und wo ich will. Wo soll das bloß alles hinführen?“ Allerdings sind die Aussies auch etwas lockerer als wir deutschen. Wenn man in der Gegend in der man gerade ist keine Arbeit mehr findet oder es einfach langweilig findet, packt man seine sieben Sachen, verkauft das Haus und zieht einfach um. Ich glaube es gibt wenige Australier, die auf Ewig an einem Ort bleiben.
Zum Beispiel Rosie & Jeremy. Er hat einige Zeit in Norwegen studiert, dann haben beide in Sydney gelebt, nun Perth und sie planen in 1-2 Jahren nach Norwegen zu ziehen. Wie gesagt sehr nette und liebe Leute, bei denen wir auch drei Nächte schlafen konnten.
Noch kurz ein Satz warum fast alle Australier ein Haus haben.
1. In den Städten gibt es kaum Wohnhäuser wie in Berlin, München, Köln u.s.w.. Außerdem sind die Mieten wohl recht hoch und deshalb kann man auch gleich ein Haus kaufen.
2. Ist es hier nicht so kostspielig ein Haus zu kaufen wie in Dt..
Für eine ½ mio AU$ bekommt man hier ein fast richtige Luxushütte in ordentlicher Lage.
Am Freitag werden wir uns auf den Weg in das 600km entfernte Kalgoolie machen, wo sich dann am Montag Morgen Annes und meine Wege trennen.

Noch einige Westkuestenbilder.
Carnavon-Jetty-WA-saphier- Carnavon-Jetty-WA-saphier-1 Lanscape-WA-1-

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