Abschlussbericht
Hallo liebe Leute in Nah und Fern,
Nun ist es schon ein Jahr her als Ihr meinen ersten Reisebericht aus Australien gelesen habt und ich denke es ist Zeit endlich meinen letzten Bericht von diesem überaus spannenden, eindrucksvollem, lustigem, zeitweise hartem, interessanten, lehrreichen und manchmal traurigem Jahr zu verfassen.
Was war seit dem Tauchkurs in Bundaberg geschehen?
Die Wege von Lida, Björn und mir trennten sich, da die Beiden weiter nordwert nach Cairns fuhren und ich zurück in dieses verschlafene Nest Gayndah. Warum Gayndah? Naja ganz einfach, weil ich nicht rechnen konnte. Folgendermaßen, wenn man während seines Australienaufenthaltes (WHV) min. 3 Monate in der Landwirtschaft oder vergleichbarem arbeitet, kann man gleich oder später einen Antrag auf ein weiteres Work and Holiday Visa stellen, welcher in der Regel auch genehmigt wird. Ich stellte in Bundaberg fest, dass ich mich um 7 Tage verrechnet hatte. Mathe 6 – setzen! Da ich die Chance eines zweiten Visums nicht verstreichen lassen wollte, fuhr ich widerstrebend nach Gayndah zurück um für 8 Tage noch Mandarinen zu ernten. Ich kann euch sagen, motivationstechnisch war ich voll am Ende.
Als wir nach Bundaberg zum Tauchen gefahren sind, hatte ich mit der Arbeitswelt in AU abgeschlossen. Nie wieder stupide, langweilige Arbeit, nie wieder Früchte ernten, nie wieder Gayndah. Und dann das. Als ich das Ortseingangsschild und die einzige Kreuzung mit ihren zwei Pubs passierte, dachte ich ich komme aus dem Urlaub nach Hause zurück. Schrecklich! Ich hatte mir eine persönliche Deadline gesetzt, an der ich, komme was wolle auf jeden Fall diesen Ort verlassen und Richtung Sydney fahren werde – der 12.07.2006.
Nach einer Stunde suchen hatte ich einen Job als Mandarinenpflücker gefunden. Ab dem nächsten Tag tickte die Uhr – noch 7, 6, 5,...Tage. Jeden Tag den ich auf der Plantage verbrachte um Mandarinen zu ernten, war einer mehr für mein 2. Visa und einer weniger in Gayndah. Mir war es fast egal wie viel ich verdiene, Hauptsache ich komme auf die fehlenden Tage.
Am Ende war es aber der Beste Job seit dem Weintrauben verpacken in SA. Ich habe mit einem sehr nettem älterem neuseeländischem Pärchen zusammen gearbeitet, konnte Tracktor fahren, hatten sehr gute Früchte (groß) die sich super ernten ließen (keine Leiterarbeit) und wurde so gut bezahlt, dass ich fast immer gegen 14:00 Uhr Feierabend gemacht habe. Kurz um: angenehme Arbeit bei gutem Lohn und sehr netten Kollegen.

Ich habe mir mal den Spass gemacht ein Monatsverdienst auszurechnen. Pro Bin (1m³ Mandarinen) habe ich 38,00AU$ Netto bekommen, von 7:00 -14:00 Uhr hatte ich 3 Bin’s voll = 114,00AU$ pro Tag x 6 Tage = 684,00AU$ x 4 Wochen = 2736,00AU$ (ca.1710,00 €)im Monat. 1700€ für einen ungelernten Erntehelfer. Zum Vergleich eine Krankenschwester auf einer Intensivstation in Deutschland verdient weniger bei mehr Stress und höherer Verantwortung.
Zu dem Gehalt muss ich aber auch sagen, dass man bei schlechtem Wetter nicht arbeiten konnte und somit nichts verdient hat. Dafür hätte man aber auch an schönen Tagen durch aus bis zum Sonnenuntergang arbeiten können (1-2 Bin’s mehr)
Am 11.07. kündigte ich den Job und am Mittwoch den 12.07. habe ich doch etwas wehmütig aber frohen Herzens Gayndah Richtung Sydney verlassen.

Mein Plan für die nächsten Tage sah folgender Maßen aus. Am Freitag wollte ich in Newcastle NSW sein, dort eine Art TÜV (Road Safty o. Pink slip) für mein Auto machen lassen, damit ich es dann am Sonntag in den KingsCross Carmarket zum verkauf anbieten kann. Dieser Plan klappte nur Teilweise, da mir die Werkstatt in Newcastle keinen Pink slip geben wollte. Sie hatten ein Ölleck, ein Auspuffleck, eine ausgebesserte Roststelle und das Reserverad am Frontbullbar zu bemängeln. Reparaturkosten um die 500-800AU$!!! Alle alten Autos in AU haben Öllecks und bei vielen Autos befindet sich das Reserverad am Frontbullbar. Naja ich bin dann etwas demotiviert im strömenden Regen nach Sydney gefahren. Dort habe ich eine Hinterhofwerkstatt gefunden die mir gegen 200AU$ die Lecks repariert und den ersehnten pink slip ausgestellt hat. Geht doch. Am Dienstag habe ich meiner Mutter und ihrer Kollegin Sydney gezeigt. Die beiden tourten ca.3,5 Wochen durch Australien um meine Schwester Katrin und mich zu besuchen und natürlich um Land und Leute kennen zu lernen. Die Tour durch Sydney war sehr lustig und hat mir viel Spass gemacht, da ich so auch noch einmal die Stadt gesehen habe und dank Sponsor auf dem Sydneytower gewesen bin, den ich sonst aus Kostengründen weggelassen hätte.

Am Mittwoch war dann endlich der erste Tag im Carmarket. Der Carmarket ist eigentlich eine stinknormale Tiefgarage in der auf der untersten Ebene Backpackerveteranen ihre Autos an frische Backpacker verkaufen, verhöcken oder wenn gar nichts hilft sogar verschenken können. Dort unten trifft sich Freud, leid und Verzweiflung. Jeder Backpacker der für sein KFZ ein pink oder white slip hat, eine Standgebühr für eine Woche bezahlt, bekommt einen Standplatz zugewiesen und kann dann dort sein Auto zum verkauf anbieten. Praktisch läuft das so ab: man kommt morgens zu seinem Auto, baut einen Campingstuhl auf, kocht sich einen von zahllosen Kaffees, liest ein Buch, hört Musik, unterhält sich mit Leidensgenossen, steht ab und zu mal auf um sich die anderen Autos zum x mal anzuschauen, liest an den Wänden die aufbauenden Sprüche der vorheriger Verkäufer und zählt die Stunden. Ach so fast hätte ich es vergessen, von Zeit zu Zeit kommen so komische Leute vorbei die sich dein supertolles Auto angucken und anfangen an ihm herum zumäkeln. Du verteidigst deinen vier rädrigen Freund, der dich natürlich nieeeeee im Stich gelassen hat und wie eine eins läuft. Dann die Probefahrt und das anschließende niederschmetternde Urteil:“ Nee, der klingt irgendwie komisch und er lenkt sich auch so schwer.“ Es gab Momente in denen ich am liebsten die Leute geschüttelt hätte und ihnen gesagt hätte:“ Hey du bist hier im Carmarket, alle Autos hier sind in der Regel 20 Jahre alt, haben min.300000 km auf der Uhr, verlieren Öl, klingen komisch oder haben sonstige Macken. Egal welches Auto du hier unten kaufst du wirst mit 90% Wahrscheinlichkeit irgendwann mal liegen bleiben. Aber das gehört nun mal dazu. Dafür kosten die Autos hier auch relativ wenig.“ Natürlich kann ich die potenziellen Käufer verstehen, die die Kosten gering halten wollen und wir waren am Anfang ja auch so, aber im Grunde hat man nur die Wahl zwischen Unglück und großem Unglück, denn ich habe nicht einen Backpacker getroffen der keine Probleme mit seinem Auto hatte. Wir hatten im Großen und Ganzen recht viel Glück mit unserem Auto.
Nach sage und schreibe 2,5 Tagen hatte ich erfolg und konnte das Auto an ein italienisches Pärchen verkaufen. Die Beiden waren sehr witzig, er hat sich das Auto am Donnerstagvormittag angeschaut und meinte er würde gegen 14:00 Uhr mit seiner Freundin wieder kommen. Um 16:30 Uhr hatte ich alle Hoffnung aufgegeben, als eine viertel Stunde später sie tatsächlich noch vorbei kamen. Sie haben sich mein Auto noch einmal angeschaut, ich habe einiges erzählt und eine Probefahrt vorgeschlagen. Das witzige war, das nicht er fahren wollte, sondern es ihnen gereicht hat, dass ich sie einmal um den Block fahre. Nach dieser pseudo- Probefahrt entschlossen sie sich das Auto für 3100 AU$ zu kaufen. Das Problem war nur, dass der Markt schon geschlossen hatte und ich sie leider auf morgen vertrösten musste.
Am nächsten Tage wartete ich wieder auf die Beiden in der Tiefgarage. Kommen sie oder kommen sie nicht? Gegen 9:30 Uhr kamen sie und wir konnten den Deal perfekt machen.
Um 10:30 Uhr hatte ich mein Auto gegen 3100AU Doller eingetauscht und war extrem erleichtert.

Ein Problem weniger, was aber nun mit der vielen Zeit machen? Mein Flieger nach Berlin war für den 13.08.06 gebucht, ich hatte aber nicht so viel Geld um in Sydney oder Umgebung mir noch Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Außerdem sehnte ich mich sehr nach meiner Freundin, das Wetter war nass und Kalt und der Gedanke jetzt hier noch 3 Wochen mehr oder weniger die Zeit abzusitzen und Geld auszugeben gefiel mir nicht. Also bin ich in das Büro meiner Airline gegangen und habe kurzer hand den Flug auf den nächsten Tag umgebucht. Innerhalb von 15min sind aus drei Wochen 24h geworden. Faszinierend. Anschließend habe ich noch schnell mein australisches Bankkonto aufgelöst, habe dafür gesorgt, dass meine Post nach Deutschland gelangt und habe den Nachmittag mit Souvenirshopping verbracht. Am Abend bin ich noch lecker Essen gewesen, habe bei einer Sternklaren Nacht meinen letzten australischen Shiraz genossen, bin noch einmal bei Nacht über die Darlinhurst Rd. gelaufen und habe mir die hell erleuchtete Skyline von Sydney angeschaut. Am Samstag hat mich ein Airportshuttel zum Airport gebracht und gegen 17:00 Uhr bin ich in Richtung Heimat abgehoben. Vor fast vier Tagen habe ich mir noch den Kopf zerbrochen wie ich dieses Auto verkauft bekomme und nun sitze ich im Flieger nach Berlin. Vor fast auf den Tag genau 9 Monaten bin ich mit keiner Erwartung aber viel Unsicherheit in Sydney gelandet und nun sitze ich reich an Erfahrungen im Flieger gen Heimat.
Rückblickend kann ich sagen, war es eine extrem GEILE und Intensive Zeit. Voll von netten Leuten, lustigen Situationen, richtig schönen Momenten und spannenden Unternehmungen.
In meinem letzten Bericht habe ich geschrieben, dass ich für die Reise kein richtiges Motiv hatte, obwohl sich hier die Frage stellt was ein richtiges Motiv ist?
Ich wollte es einfach nur mal gemacht haben, einfach wegen der Erfahrung.
Eine dieser Erfahrung ist z.Bsp. die Erkenntnis, dass es funktioniert – irgendwo hin zu fliegen und alles weitere auf sich zu kommen zu lassen und dann vor Ort zu entscheiden. Auch habe ich die Lust am Reisen entdeckt. Ich meine ich bin schon vorher verreist, aber ich meine 4 Wochen und länger nur mit einem Rucksack irgendwo hin fliegen und gucken was es dort gibt. Des weiteren habe ich auch festgestellt, dass ich meine Arbeit auf der Intensivstation schon vermisst habe und da mir keiner eine Alternativ in den Bergen anbietet, möchte ich in diesem Bereich auch vorerst weiter tätig bleiben und mal gucken was es noch so gibt.
Sehr beeindruckt hat mich die Mentalität der Australier, sie sind extrem entspannt und sehen vieles sehr locker. Ich denke, wenn wir vieles etwas ruhiger angehen und lockerer mit bestimmten Situationen umgehen würden, hätten wir sicher weniger Stress.
Ich bereue es nicht das ich es oder wie ich es gemacht habe. Ich kann jedem, der die Möglichkeit hat nur empfehlen so etwas in der Art mal zu machen. Sich einfach mal in eine völlig neue Umgebung zu begeben und mit der Situation dort zu Recht zu kommen. Ich bin der Meinung, dass man davon nur profitieren kann und es ist einfach nur eine einzigartige Erfahrung.
Berlin
Die Ankunft in der Hauptstadt der Unfreundlichkeit und die erste Woche war schon ein ordentlicher Hieb in die Magengegend und kam einem Absturz gleich. Mir ist schon bekannt, dass Berliner ihren ganz eigenen „Charme“ haben, aber so krass ist mir das vorher nicht aufgefallen. Da werden Touristen von einem Busfahrer angemault, die nach der richtigen Haltestelle fragen, da wird man pampig angemacht ob man es nicht noch größer hat, wenn man einen Fahrschein nicht passend sondern mit einem 20€ Schein bezahlt oder man wird schief angeschaut, wenn man einfach nur Danke sagt. Tja so ist sie die Hauptstadt „konsequent Gastfreundlich“(SPD Wahlkampfslogen)
Naja langsam habe ich mich wieder eingelebt und genieße die Atmosphäre in Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Seit Anfang October gehe ich auch wieder im Brandverletztenzentrum im UKB arbeiten und es macht mir sehr viel spass.
So! Meine Kollegen sagen zwar immer: „Wer So sagt, ist noch lange nicht fertig“, aber ich fürchte diesmal irren sie sich.
In wie fern ich diesen Blog weiter betreibe oder einen Homepage mit noch anderen Themen erstelle weiß ich noch nicht, aber wen es interessiert kann ja ab und zu hier noch einmal vorbei schauen.
Es war mir eine Freude und ich hoffe ihr hattet beim lesen mindestens genau so viel spass wie ich beim erleben der vielen kleinen Geschichten.
Wer noch weitere lustige Reisegeschichten aus Australien, Indien, Thailand oder Südafrika lesen möchte, dem kann ich nur die Seiten von Linda +Björn oder von meinem Bruder empfehlen.
I’am done!
Take care and have a nice day.
Bye Alex aka anioz06
P.S. An alle die dachten, dass ich das Schreiben nicht durch halte: ÄÄÄÄTSCH hab ich doch geschafft.
Nun ist es schon ein Jahr her als Ihr meinen ersten Reisebericht aus Australien gelesen habt und ich denke es ist Zeit endlich meinen letzten Bericht von diesem überaus spannenden, eindrucksvollem, lustigem, zeitweise hartem, interessanten, lehrreichen und manchmal traurigem Jahr zu verfassen.
Was war seit dem Tauchkurs in Bundaberg geschehen?
Die Wege von Lida, Björn und mir trennten sich, da die Beiden weiter nordwert nach Cairns fuhren und ich zurück in dieses verschlafene Nest Gayndah. Warum Gayndah? Naja ganz einfach, weil ich nicht rechnen konnte. Folgendermaßen, wenn man während seines Australienaufenthaltes (WHV) min. 3 Monate in der Landwirtschaft oder vergleichbarem arbeitet, kann man gleich oder später einen Antrag auf ein weiteres Work and Holiday Visa stellen, welcher in der Regel auch genehmigt wird. Ich stellte in Bundaberg fest, dass ich mich um 7 Tage verrechnet hatte. Mathe 6 – setzen! Da ich die Chance eines zweiten Visums nicht verstreichen lassen wollte, fuhr ich widerstrebend nach Gayndah zurück um für 8 Tage noch Mandarinen zu ernten. Ich kann euch sagen, motivationstechnisch war ich voll am Ende.
Als wir nach Bundaberg zum Tauchen gefahren sind, hatte ich mit der Arbeitswelt in AU abgeschlossen. Nie wieder stupide, langweilige Arbeit, nie wieder Früchte ernten, nie wieder Gayndah. Und dann das. Als ich das Ortseingangsschild und die einzige Kreuzung mit ihren zwei Pubs passierte, dachte ich ich komme aus dem Urlaub nach Hause zurück. Schrecklich! Ich hatte mir eine persönliche Deadline gesetzt, an der ich, komme was wolle auf jeden Fall diesen Ort verlassen und Richtung Sydney fahren werde – der 12.07.2006.
Nach einer Stunde suchen hatte ich einen Job als Mandarinenpflücker gefunden. Ab dem nächsten Tag tickte die Uhr – noch 7, 6, 5,...Tage. Jeden Tag den ich auf der Plantage verbrachte um Mandarinen zu ernten, war einer mehr für mein 2. Visa und einer weniger in Gayndah. Mir war es fast egal wie viel ich verdiene, Hauptsache ich komme auf die fehlenden Tage.
Am Ende war es aber der Beste Job seit dem Weintrauben verpacken in SA. Ich habe mit einem sehr nettem älterem neuseeländischem Pärchen zusammen gearbeitet, konnte Tracktor fahren, hatten sehr gute Früchte (groß) die sich super ernten ließen (keine Leiterarbeit) und wurde so gut bezahlt, dass ich fast immer gegen 14:00 Uhr Feierabend gemacht habe. Kurz um: angenehme Arbeit bei gutem Lohn und sehr netten Kollegen.

Ich habe mir mal den Spass gemacht ein Monatsverdienst auszurechnen. Pro Bin (1m³ Mandarinen) habe ich 38,00AU$ Netto bekommen, von 7:00 -14:00 Uhr hatte ich 3 Bin’s voll = 114,00AU$ pro Tag x 6 Tage = 684,00AU$ x 4 Wochen = 2736,00AU$ (ca.1710,00 €)im Monat. 1700€ für einen ungelernten Erntehelfer. Zum Vergleich eine Krankenschwester auf einer Intensivstation in Deutschland verdient weniger bei mehr Stress und höherer Verantwortung.
Zu dem Gehalt muss ich aber auch sagen, dass man bei schlechtem Wetter nicht arbeiten konnte und somit nichts verdient hat. Dafür hätte man aber auch an schönen Tagen durch aus bis zum Sonnenuntergang arbeiten können (1-2 Bin’s mehr)
Am 11.07. kündigte ich den Job und am Mittwoch den 12.07. habe ich doch etwas wehmütig aber frohen Herzens Gayndah Richtung Sydney verlassen.

Mein Plan für die nächsten Tage sah folgender Maßen aus. Am Freitag wollte ich in Newcastle NSW sein, dort eine Art TÜV (Road Safty o. Pink slip) für mein Auto machen lassen, damit ich es dann am Sonntag in den KingsCross Carmarket zum verkauf anbieten kann. Dieser Plan klappte nur Teilweise, da mir die Werkstatt in Newcastle keinen Pink slip geben wollte. Sie hatten ein Ölleck, ein Auspuffleck, eine ausgebesserte Roststelle und das Reserverad am Frontbullbar zu bemängeln. Reparaturkosten um die 500-800AU$!!! Alle alten Autos in AU haben Öllecks und bei vielen Autos befindet sich das Reserverad am Frontbullbar. Naja ich bin dann etwas demotiviert im strömenden Regen nach Sydney gefahren. Dort habe ich eine Hinterhofwerkstatt gefunden die mir gegen 200AU$ die Lecks repariert und den ersehnten pink slip ausgestellt hat. Geht doch. Am Dienstag habe ich meiner Mutter und ihrer Kollegin Sydney gezeigt. Die beiden tourten ca.3,5 Wochen durch Australien um meine Schwester Katrin und mich zu besuchen und natürlich um Land und Leute kennen zu lernen. Die Tour durch Sydney war sehr lustig und hat mir viel Spass gemacht, da ich so auch noch einmal die Stadt gesehen habe und dank Sponsor auf dem Sydneytower gewesen bin, den ich sonst aus Kostengründen weggelassen hätte.

Am Mittwoch war dann endlich der erste Tag im Carmarket. Der Carmarket ist eigentlich eine stinknormale Tiefgarage in der auf der untersten Ebene Backpackerveteranen ihre Autos an frische Backpacker verkaufen, verhöcken oder wenn gar nichts hilft sogar verschenken können. Dort unten trifft sich Freud, leid und Verzweiflung. Jeder Backpacker der für sein KFZ ein pink oder white slip hat, eine Standgebühr für eine Woche bezahlt, bekommt einen Standplatz zugewiesen und kann dann dort sein Auto zum verkauf anbieten. Praktisch läuft das so ab: man kommt morgens zu seinem Auto, baut einen Campingstuhl auf, kocht sich einen von zahllosen Kaffees, liest ein Buch, hört Musik, unterhält sich mit Leidensgenossen, steht ab und zu mal auf um sich die anderen Autos zum x mal anzuschauen, liest an den Wänden die aufbauenden Sprüche der vorheriger Verkäufer und zählt die Stunden. Ach so fast hätte ich es vergessen, von Zeit zu Zeit kommen so komische Leute vorbei die sich dein supertolles Auto angucken und anfangen an ihm herum zumäkeln. Du verteidigst deinen vier rädrigen Freund, der dich natürlich nieeeeee im Stich gelassen hat und wie eine eins läuft. Dann die Probefahrt und das anschließende niederschmetternde Urteil:“ Nee, der klingt irgendwie komisch und er lenkt sich auch so schwer.“ Es gab Momente in denen ich am liebsten die Leute geschüttelt hätte und ihnen gesagt hätte:“ Hey du bist hier im Carmarket, alle Autos hier sind in der Regel 20 Jahre alt, haben min.300000 km auf der Uhr, verlieren Öl, klingen komisch oder haben sonstige Macken. Egal welches Auto du hier unten kaufst du wirst mit 90% Wahrscheinlichkeit irgendwann mal liegen bleiben. Aber das gehört nun mal dazu. Dafür kosten die Autos hier auch relativ wenig.“ Natürlich kann ich die potenziellen Käufer verstehen, die die Kosten gering halten wollen und wir waren am Anfang ja auch so, aber im Grunde hat man nur die Wahl zwischen Unglück und großem Unglück, denn ich habe nicht einen Backpacker getroffen der keine Probleme mit seinem Auto hatte. Wir hatten im Großen und Ganzen recht viel Glück mit unserem Auto.
Nach sage und schreibe 2,5 Tagen hatte ich erfolg und konnte das Auto an ein italienisches Pärchen verkaufen. Die Beiden waren sehr witzig, er hat sich das Auto am Donnerstagvormittag angeschaut und meinte er würde gegen 14:00 Uhr mit seiner Freundin wieder kommen. Um 16:30 Uhr hatte ich alle Hoffnung aufgegeben, als eine viertel Stunde später sie tatsächlich noch vorbei kamen. Sie haben sich mein Auto noch einmal angeschaut, ich habe einiges erzählt und eine Probefahrt vorgeschlagen. Das witzige war, das nicht er fahren wollte, sondern es ihnen gereicht hat, dass ich sie einmal um den Block fahre. Nach dieser pseudo- Probefahrt entschlossen sie sich das Auto für 3100 AU$ zu kaufen. Das Problem war nur, dass der Markt schon geschlossen hatte und ich sie leider auf morgen vertrösten musste.
Am nächsten Tage wartete ich wieder auf die Beiden in der Tiefgarage. Kommen sie oder kommen sie nicht? Gegen 9:30 Uhr kamen sie und wir konnten den Deal perfekt machen.
Um 10:30 Uhr hatte ich mein Auto gegen 3100AU Doller eingetauscht und war extrem erleichtert.

Ein Problem weniger, was aber nun mit der vielen Zeit machen? Mein Flieger nach Berlin war für den 13.08.06 gebucht, ich hatte aber nicht so viel Geld um in Sydney oder Umgebung mir noch Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Außerdem sehnte ich mich sehr nach meiner Freundin, das Wetter war nass und Kalt und der Gedanke jetzt hier noch 3 Wochen mehr oder weniger die Zeit abzusitzen und Geld auszugeben gefiel mir nicht. Also bin ich in das Büro meiner Airline gegangen und habe kurzer hand den Flug auf den nächsten Tag umgebucht. Innerhalb von 15min sind aus drei Wochen 24h geworden. Faszinierend. Anschließend habe ich noch schnell mein australisches Bankkonto aufgelöst, habe dafür gesorgt, dass meine Post nach Deutschland gelangt und habe den Nachmittag mit Souvenirshopping verbracht. Am Abend bin ich noch lecker Essen gewesen, habe bei einer Sternklaren Nacht meinen letzten australischen Shiraz genossen, bin noch einmal bei Nacht über die Darlinhurst Rd. gelaufen und habe mir die hell erleuchtete Skyline von Sydney angeschaut. Am Samstag hat mich ein Airportshuttel zum Airport gebracht und gegen 17:00 Uhr bin ich in Richtung Heimat abgehoben. Vor fast vier Tagen habe ich mir noch den Kopf zerbrochen wie ich dieses Auto verkauft bekomme und nun sitze ich im Flieger nach Berlin. Vor fast auf den Tag genau 9 Monaten bin ich mit keiner Erwartung aber viel Unsicherheit in Sydney gelandet und nun sitze ich reich an Erfahrungen im Flieger gen Heimat.
Rückblickend kann ich sagen, war es eine extrem GEILE und Intensive Zeit. Voll von netten Leuten, lustigen Situationen, richtig schönen Momenten und spannenden Unternehmungen.
In meinem letzten Bericht habe ich geschrieben, dass ich für die Reise kein richtiges Motiv hatte, obwohl sich hier die Frage stellt was ein richtiges Motiv ist?
Ich wollte es einfach nur mal gemacht haben, einfach wegen der Erfahrung.
Eine dieser Erfahrung ist z.Bsp. die Erkenntnis, dass es funktioniert – irgendwo hin zu fliegen und alles weitere auf sich zu kommen zu lassen und dann vor Ort zu entscheiden. Auch habe ich die Lust am Reisen entdeckt. Ich meine ich bin schon vorher verreist, aber ich meine 4 Wochen und länger nur mit einem Rucksack irgendwo hin fliegen und gucken was es dort gibt. Des weiteren habe ich auch festgestellt, dass ich meine Arbeit auf der Intensivstation schon vermisst habe und da mir keiner eine Alternativ in den Bergen anbietet, möchte ich in diesem Bereich auch vorerst weiter tätig bleiben und mal gucken was es noch so gibt.
Sehr beeindruckt hat mich die Mentalität der Australier, sie sind extrem entspannt und sehen vieles sehr locker. Ich denke, wenn wir vieles etwas ruhiger angehen und lockerer mit bestimmten Situationen umgehen würden, hätten wir sicher weniger Stress.
Ich bereue es nicht das ich es oder wie ich es gemacht habe. Ich kann jedem, der die Möglichkeit hat nur empfehlen so etwas in der Art mal zu machen. Sich einfach mal in eine völlig neue Umgebung zu begeben und mit der Situation dort zu Recht zu kommen. Ich bin der Meinung, dass man davon nur profitieren kann und es ist einfach nur eine einzigartige Erfahrung.
Berlin
Die Ankunft in der Hauptstadt der Unfreundlichkeit und die erste Woche war schon ein ordentlicher Hieb in die Magengegend und kam einem Absturz gleich. Mir ist schon bekannt, dass Berliner ihren ganz eigenen „Charme“ haben, aber so krass ist mir das vorher nicht aufgefallen. Da werden Touristen von einem Busfahrer angemault, die nach der richtigen Haltestelle fragen, da wird man pampig angemacht ob man es nicht noch größer hat, wenn man einen Fahrschein nicht passend sondern mit einem 20€ Schein bezahlt oder man wird schief angeschaut, wenn man einfach nur Danke sagt. Tja so ist sie die Hauptstadt „konsequent Gastfreundlich“(SPD Wahlkampfslogen)
Naja langsam habe ich mich wieder eingelebt und genieße die Atmosphäre in Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Seit Anfang October gehe ich auch wieder im Brandverletztenzentrum im UKB arbeiten und es macht mir sehr viel spass.
So! Meine Kollegen sagen zwar immer: „Wer So sagt, ist noch lange nicht fertig“, aber ich fürchte diesmal irren sie sich.
In wie fern ich diesen Blog weiter betreibe oder einen Homepage mit noch anderen Themen erstelle weiß ich noch nicht, aber wen es interessiert kann ja ab und zu hier noch einmal vorbei schauen.
Es war mir eine Freude und ich hoffe ihr hattet beim lesen mindestens genau so viel spass wie ich beim erleben der vielen kleinen Geschichten.
Wer noch weitere lustige Reisegeschichten aus Australien, Indien, Thailand oder Südafrika lesen möchte, dem kann ich nur die Seiten von Linda +Björn oder von meinem Bruder empfehlen.
I’am done!
Take care and have a nice day.
Bye Alex aka anioz06
P.S. An alle die dachten, dass ich das Schreiben nicht durch halte: ÄÄÄÄTSCH hab ich doch geschafft.
vollton38 - 9. Nov, 16:34





























































